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Der Künstler, der zu grün träumte

Der Künstler, der zu grün träumte

Von Astrid Frefel, Kairo. Aktualisiert am 15.06.2009

Junge iranische Künstler wollen ihren Traum nach mehr persönlicher Freiheit auszudrücken. Mostafa Hasani ist einer von ihnen.

Natürlich trägt Mostafa Hasani ein grasgrünes T-Shirt. Das «Grün» ist seine Idee. «Sabz» – was in Farsi grün bedeutet – ist inzwischen im Iran alles, was mit dem unterlegenen Präsidentschaftskandidaten Mir Hossein Moussavi zu tun hat. Etwa das «Grüne Wort» und die «Grüne Linie», die beiden Zeitungen, die Moussavi nahe stehen. Aber die grüne Bewegung ist viel älter als die Wahlkampagne. Sie entstand schon vor sechs Jahren, um die Träume einer Generation auszudrücken.

«Rot und Blau kamen nicht in Frage. Diese Farben sind von zwei grossen iranischen Fussballklubs besetzt. Gelb hat keine Bedeutung», erklärt der junge Künstler und Erfinder der grünen Bewegung seine Suche nach einen geeigneten Ausdrucksmittel. Eine Farbe musste her, weil die jungen Leute kein anderes Medium hatten, um auf sich aufmerksam zu machen. «Grün, das steht für Frische, Neubeginn, Frühling, und natürlich spielte auch die Religion eine Rolle. Grün ist die Farbe des Islam, und man kann sie leicht verteidigen, es gibt keine Gegenfarbe», sagt Hasani. Kurz, das Grün war ideal, um Hoffnung auf mehr Freiheit und Reformen auszudrücken.

«Iraner sind Herdentiere»

«Iraner sind Herdentiere. Sie nehmen gern an einem Kollektiv teil», begründet der Mittzwanziger die schnelle Verbreitung dieser Idee. Der Fantasie waren keine Grenzen gesetzt. Vom dezenten Stoffbändchen über Kopftücher, Schmuck und Shawls bis zu Tattoos und Gesichtsbemalungen: Täglich waren mehr grüne Bekenntnisse auszumachen. Abertausende lebendige Poster, nennt sie Hasani.

«So kann jeder ganz einfach zeigen, dass er zu uns gehört. Dazu braucht es keine Worte und kein Geld. Plötzlich war alles grün, sogar in den Nebenstrassen», schildert der junge Künstler seine eigene Überraschung über den Erfolg der grünen Bewegung, die von den iranischen Medien dann als Tsunami bezeichnet wurde. Hasani genoss das Ganze wie ein Spiel. Etwa als er feststellte, dass das staatliche iranische Fernsehen sich bemühte, jegliches Grün wenn möglich aus seinen Programmen zu verbannen, weil dahinter Wahlwerbung hätte vermutet werden können.

Eigenen Blog

Am Anfang war die grüne Bewegung nicht politisch, sondern eher eine Form, um die eigenen Träume und Befindlichkeiten künstlerisch auszudrücken. Beim Reformer Moussavi fanden die jungen Bewegten dann ihre Anliegen am besten vertreten. Dabei erwähnt Hasani, dass Moussavi auch ein Seyyed ist, das heisst, den Ehrentitel der Nachfahren des Islamgründers Mohammed trägt.

Wie Hunderttausende seiner Generation von jungen, gut ausgebildeten Städtern unterhält Hasani auch einen eigenen Blog. Da ist vor allem seine Kunst zu sehen. «Nicht jedes Grün ist eine Stimme für Moussavi, aber der Träger der Farbe stellt sich die Frage, wie es in diesem Land weitergehen soll», sagt Hasani. Und auch wenn die Wahlen jetzt verloren sein sollten, das grüne Gefühl wird nicht so schnell abklingen und die grüne Farbe nicht verschwinden. Mostafa Hasani und seine bewegten Freunde und Freundinnen werden neue Mittel und Wege suchen, um ihren Traum nach mehr persönlicher Freiheit auszudrücken.

(Tages-Anzeiger)

+ نوشته شده در  شنبه چهارم دی 1389ساعت 3:18  توسط mostafa hassani  |